The Rhythm of Old Stories
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The Rhythm of Old Stories

A personal reflection on my fascination with fairy tales and the story of Faithful Johannes—a continuation of a classic by the Brothers Grimm.

Der Rhythmus der alten Geschichten 2. März 2026

Unglaublich, wie die Zeit vergeht.

Es sind jetzt fünfzehn Jahre her, und doch sehe ich es noch ganz genau vor mir: Ich sitze am Tisch, ein altes Märchenbuch aufgeschlagen vor mir. Jenes Buch, aus dem schon meine Großmutter vorgelesen hat. Und ich lese mir die Märchen der Gebrüder Grimm vor. Laut. Für mich allein.

Ich wollte spüren, wie diese Geschichten klingen. Welchen Rhythmus sie haben. Diese besondere Ruhe, die sich in den ersten Sätzen ausbreitet. Es war einmal... und die einen sofort an einen anderen Ort trägt.

Es war das Gebrüder-Grimm-Jahr, und es gab eine Ausschreibung, an der ich teilgenommen habe. Man konnte entweder ein völlig neues Märchen im Sinne der Brüder Grimm verfassen oder eine Fortsetzung zu einem bereits bestehenden Märchen schreiben.

Ich habe mitgemacht. Und ich habe einen der vorderen Plätze belegt.

Mein Text wurde in der Zeitschrift "Anderwelt" abgedruckt. Für mich war das damals ein enormes Gefühl. Dieses Wissen, dass die eigene Geschichte irgendwo auf einer Seite steht, dass jemand sie liest, dass die Worte, die man in Stille am Tisch formuliert hat, plötzlich eine Wirklichkeit außerhalb des eigenen Schreibtisches bekommen.

Ehrlich gesagt: Dieses Gefühl ist heute noch genauso schön, wenn ich irgendwo mitwirken darf.

Aber dieses Märchen hat mich auch nachdenklich gestimmt. Es hat mich auf eine Weise berührt, die ich damals kaum in Worte fassen konnte. Vielleicht, weil ich so tief in diese alten Rhythmen eingetaucht war. Vielleicht, weil das Schreiben von Märchen etwas verlangt, das sich anders anfühlt als alles andere: eine Art Ehrlichkeit, die hinter dem Schleier des Wunderbaren verborgen liegt.

Ich habe seitdem kein Märchen mehr geschrieben.

Aber heute, fünfzehn Jahre später, möchte ich diesen Text noch einmal hervorholen. Hier ist meine Fassung:​​​​​​​​​​​​​​​​

Der treue Johannes

Nachdem nun ein weiteres Jahr vergangen war, begab sich der getreue Johannes auf den Kirchhof um seinen alten König zu besuchen. Wie er so vor dem Grabmal stand und an seinen verblichenen Herrn dachte, sprach plötzlich die Stimme seines alten Herrn zu ihm: „Johannes, mein treuer Johannes. Nun ist es Zeit, dass auch du ausziehst, um dein Glück zu machen. Mein Sohn ist nun alt genug, um auf sich selbst aufzupassen.

Geh zurück ins Schloss und schnüre dein Bündel. Dann mache dich auf den Weg. Durchquere den tiefen Forst bis zur Mitte. Dort findest zu ein Haus.

Klopfe an und der Rest wird sich finden.“

So plötzlich die Stimme des Herrn bei ihm war, so plötzlich war sie auch wieder verstummt.

Der getreue Johannes machte sich sofort auf den Weg ins Schloss. Er packte sein Bündel, ließ sich von der Köchin noch eine Wegzehrung bereiten und verabschiedete sich sodann vom jungen König und dessen Familie.

Ach, war das ein Klagen und Wehen. Die Kindlein wollten ihn nicht ziehen lassen und auch die Königin wollte sich nicht von dem lieb gewordenen Diener trennen.

Doch der treue Johannes, der immer tat was der Herr von ihm verlangte, sagte sich los und machte sich noch vor Einbruch der Nacht auf den Weg.

Rasch schritt er aus, doch als die Nacht hereinbrach hatte er nicht den halben Forst durchquert. Er legte sich unter einem Baum nieder, um zu ruhen. Nicht lange und er war eingeschlafen. Im Traum erschien ihm wieder sein alter Herr, der sprach zu ihm: „Johannes, mein treuer Johannes. Bei Tagesanbruch machst du dich auf den Weg zur Mitte des tiefen Forstes. Dort findest du ein Haus. Klopfe an und der Rest wird sich finden.“

Als der getreue Johannes erwachte, labte er sich an einem vorbei fließenden Bach und aß vom Brot, welches ihm die Köchin mitgegeben hatte.

Dann machte er sich wieder auf den Weg.

Als nun die Sonne ihren höchsten Stand erreicht hatte, brach Johannes durch den tiefen Forst auf eine Lichtung hindurch. Dort stand ein Haus mit einem kleinen Gärtlein davor.

Johannes ging einmal drum herum, aber niemand war zu sehen. So also öffnete er die Gartenpforte, nahm die drei Schritte zur Haustür und klopfte an.

Nach einer kurzen Weile öffnete sich die Türe und ein altes Mütterlein trat zu ihm.

„Johannes, mein treuer Johannes“, sprach sie ihn an, „jetzt also bist du hier. Trete ein und setze dich an den Tisch.“

Johannes tat wie ihm geheißen. Er betrat das Haus, welches ihm angenehm kühl erschien in der Mittagshitze.

Er setzte sich an den gedeckten Tisch und es war ihm, als ob man ihn erwartet hätte.

Nachdem er fest zugelangt hatte, trat das Mütterchen wieder zu ihm hin. „Johannes, mein treuer Johannes. Ich bin ein altes Weiblein, geh hinaus in den Schuppen und hacke mir das Holz. Mir ist die Arbeit zu schwer.“

Johannes tat wie ihm geheißen. Er hackte das ganze Holz im Schuppen. Und immer wenn er glaubte, fast fertig zu sein, fand er einen weiteren Ster den er zu Kleinholz hacken musste.

Als der Mond schon hoch am Himmel stand, war er endlich fertig mit der Arbeit.

Die Alte gab ihm einen Kanten Brot und sogleich nach seinem kargen Mahle schlief er in der Kammer ein.

Am nächsten Morgen in der Frühe, noch bevor der erste Hahn krähte, kam die Alte zu Johannes’ Lager.

„Johannes, mein treuer Johannes“, sprach sie zu ihm. „Nimm dir Brot und einen Becher Milch. Sodann du dich gestärkt hast, gehst du hinaus und gräbst mir den Garten um.“

Der getreue Johannes tat wie ihm geheißen. Nach seinem kärglichen Frühstück begab er sich an die Arbeit. Froh war er, dass es nur ein kleines Stück Acker war, den er umzugraben hatte. Jedoch immer, wenn er glaubte, fast fertig zu sein, sah er, dass noch eine ganze Menge Feld zu bearbeiten war. So schuftete er bis tief in die Nacht.

Als endlich das letzte Stücklein Acker umgegraben war, bekam er von dem Weiblein einen Teller Suppe, und als er den letzten Löffel davon verzehrt hatte, schlief er schon bei Tisch ein.

Nach einem kurzen Nachtschlaf wurde er wieder von der Alten geweckt. Sie stellte ihm einen Becher Milch und einen Kanten Brot auf den Tisch.

„Johannes, mein treuer Johannes, “ sprach sie wieder zu ihm, „wenn deine Mahlzeit beendet ist, wirst du in meinem Garten die Kartoffeln pflanzen.“

Johannes tat, wie ihm geheißen und er wusste schon, dass er kleine Acker im Laufe des Tages immer größer wurde und dass er wieder bis spät in die Nacht schuften musste.

Und so war es auch. Auf die Arbeit folgte ein karges Mahl und gleich darauf schlief Johannes ein.

So ging es über Wochen. Der Sommer ging in den Herbst und dieser in den Winter über. Jeden Tag verrichtete der treue Johannes still alle Arbeiten, die ihm das Weiblein aufgetragen hatte. Er beklagte sich nie und war stets frohen Mutes.

Er wusste ja, dass es einen Sinn machte, denn sein toter Herr hatte ihm aufgetragen, gerade hier anzuklopfen und den Dingen ihren Lauf zu lassen.

Nun war das Weihnachtsfest gekommen.

Wie täglich wurde Johannes auch heute von der Alten geweckt. Sie verlangte von ihm, dass er sie auf seinem Rücken in die nächste Stadt tragen sollte, da sie zur Messe wollte.

Also nahm Johannes sie huckepack.

Mit jedem Meter, den der Johannes lief, wurde die Last auf seinem Rücken schwerer. Kaum einen Schritt kam er noch vorwärts. Außerdem hatte es geschneit und der Schnee lag hoch auf dem Weg.

„Lass mich nicht fallen Johannes und halte nicht an. Immer weiter mein Junge, damit wir pünktlich zur Messe erscheinen, “ sprach sie ihm ins Ohr.

Und so kämpfte sich Johannes Stunde um Stunde durch den verschneiten Wald.

Als er der Kirche ansichtig wurde, konnte er kaum noch gehen. Er schleppte sich die letzten Meter zum Hauptportal und brach dort zusammen.

Als er die Augen wieder aufschlug, blickte er ins Gesicht einer wunderschönen Prinzessin.

„Mein treuer Johannes“, sagte sie zu ihm, „alle Prüfungen hast du klaglos über dich ergehen lassen. Alles, was ich dir auftrug, hast du zu meiner Zufriedenheit erledigt. Nun sollst du die Früchte deiner Arbeit ernten. Nimm mich zur Frau und werde König meines Reiches.“

Da willigte der treue Johannes gerne ein.

Und von nun an lebten sie glücklich und zufrieden.

Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute.

It was the feeling that the words I had quietly formulated at my desk suddenly took on a reality beyond my own writing table.

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Christine Rentschler Skagen Tour Guide · Author · Adventurer

I write about my new life at the northernmost tip of Denmark.