Zwischen Zweifel und Aufbruch 28. April 2023
Wie ein Pendel schwingen meine Gefühle hin und her, und manchmal frage ich mich, ob es normal ist, so zerrissen zu sein. Die Entscheidung auszuwandern gleicht einer emotionalen Achterbahnfahrt, die mich täglich aufs Neue herausfordert.
Besonders deutlich wird es, wenn wir zur Volkshochschule fahren. Dort, im Kreis von Dorte und unseren neu gewonnenen Freunden, scheint plötzlich alles kristallklar. Die Vorstellung hierzubleiben verblasst, und die Zukunft im Ausland erscheint als der einzig richtige Weg. Doch kaum bin ich wieder zu Hause, schleichen sich die Zweifel ein, und der Gedanke wegzugehen fühlt sich fremd und beängstigend an.
Bisher haben wir unsere Pläne wie ein gut gehütetes Geheimnis bewahrt - nur in der Volkshochschule sprechen wir offen darüber. Heute jedoch habe ich einen wichtigen Schritt gewagt und mich meiner besten Freundin Andrea anvertraut. Sie kennt mich besser als jeder andere, und wie immer hat sie meine Gedanken gelesen, noch bevor ich sie ganz aussprechen konnte. Ihre Reaktion war so typisch Andrea: keine dramatischen Ausrufe, kein Versuch mich umzustimmen. Stattdessen ihre ruhige, pragmatische Art, die Dinge zu sehen wie sie sind.
"Du wirst dort glücklich sein", sagte sie mit dieser unerschütterlichen Überzeugung in der Stimme. Sie erinnerte mich daran, wie oft ich schon einen Neuanfang gewagt habe, wie oft ich mein Leben bereits auf den Kopf gestellt habe - und wie ich aus jeder Veränderung gestärkt hervorgegangen bin.
Ja, es ist ein Wagnis. Aber wie heißt es so schön: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Absolute Vorfreude? Nein, die spüre ich nicht. Aber tief in mir drin wächst die Überzeugung, dass es richtig ist. Vielleicht ist das sogar besser als blinde Begeisterung - diese ruhige Gewissheit, dass ich auch diese Herausforderung meistern werde, wie so viele zuvor.