Robben sind Meeresbewohner. Sie jagen im Wasser, schlafen im Wasser, verbringen den Großteil ihres Lebens im Wasser.
Und trotzdem bringen sie ihre Jungen an Land zur Welt. Das klingt widersprüchlich, hat aber zwingende biologische Gründe.
Das erste Problem: Luft Robbenbabys sind Säugetiere. Sie müssen unmittelbar nach der Geburt atmen. Im Wasser bestünde die Gefahr, dass das Neugeborene ertrinkt, bevor der Atemreflex und das koordinierte Auftauchen zuverlässig funktionieren. Fester Boden ist also eine Überlebensbedingung.
Das zweite Problem: Fell Kegelrobben kommen mit einem flauschigen, weißen Geburtsfell zur Welt, dem sogenannten Lanugo. Dieses Fell ist nicht wasserabweisend. Es saugt sich im Wasser voll wie ein Schwamm, das Junge würde in den kalten dänischen Gewässern innerhalb kürzester Zeit unterkühlen.
Erst nach dem Fellwechsel, etwa drei bis vier Wochen nach der Geburt, ist der Nachwuchs für das Meer gerüstet.
Das dritte Problem: Zeit Robbenmilch ist extrem energiereich und enthält bis zu 50 Prozent Fett. Das Junge muss in möglichst kurzer Zeit eine isolierende Speckschicht aufbauen, den sogenannten Blubber. Dafür braucht es Ruhe.
Stress durch Hunde oder Menschen führt dazu, dass die Mutter den Säugevorgang abbricht oder das Junge ganz aufgibt.
Wann ist Saison?
In dänischen Gewässern gibt es zwei Hauptarten mit unterschiedlichen Geburtszeiten. Der Seehund (Spættet sæl) bringt seinen Nachwuchs im Juni und Juli zur Welt. Die Jungen können zwar vergleichsweise früh schwimmen, sind aber auf Sandbänke und Strände als Ruheplätze angewiesen.
Die Kegelrobbe (Gråsæl) gebiert im November und Dezember, also ausgerechnet in dem Zeitraum, in dem die gesetzliche Leinenpflicht am Strand gelockert ist. Das Lanugo-Fell der Jungen macht sie in dieser Zeit besonders verletzlich.
Der Heuler: Ein Missverständnis mit Folgen
Immer wieder liegen Robbenjunge allein am Strand. Das ist in den meisten Fällen vollkommen normal. Die Mutter jagt im Wasser und kehrt zum Säugen zurück.
Für ein solches Jungtier ist ein Hund, egal wie gutmütig er sein mag, ein potenzieller Feind.
Nähert sich ein Hund dem Strand, traut sich die Mutter nicht an Land.
Das Junge wartet, die Mutter bleibt auf Abstand, und nach einigen Stunden ist aus einem harmlosen Spaziergang eine Katastrophe geworden.
Der Strand ist für Robben kein Spielplatz, sondern ein Rückzugsraum.
Ein Hund an der Leine bedeutet für ein Robbenjunges die Sicherheit, dass die Mutter für die nächste Mahlzeit an Land zurückkehrt.
Was zu beachten ist:
Wer ein allein liegendes Robbenjunges am Strand entdeckt, sollte Abstand halten, mindestens 50 Meter, besser wären 100 Meter, den Hund anleinen und die Stelle möglichst ruhig passieren oder weiträumig umgehen.
Anfassen ist tabu, auch wenn das Tier verletzt wirkt.
Erst wenn ein Jungtier offensichtlich verletzt ist oder über viele Stunden hinweg nicht von der Mutter versorgt wird, lohnt ein Anruf bei der zuständigen Naturschutzbehörde.