Wenn Vertrautes fremd wird: Ein Besuch in Deutschland
24.02.2026
Ich habe ein paar Tage in Deutschland verbracht und das, was ich gesehen habe, hat mich erschüttert. Es hat mich traurig gemacht. Es ist eine Situation, mit der ich so nicht gerechnet hätte.
Auf den Tag genau ist es ein Jahr her gewesen, dass ich meine Heimatstadt zuletzt besucht habe. Dass sich in dieser Zeit so viel verändern könnte, hätte ich mir nicht ausdenken können. Vielleicht ist es aber auch so, dass man Dinge erst wirklich wahrnimmt, wenn man eine längere Zeit nicht dort gewesen ist. So wie die Tante aus dem fernen Land, die zu Besuch kommt und sofort sieht, wie sehr das Kind gewachsen ist. Etwas, das den Eltern selbst gar nicht aufgefallen wäre. Anders kann ich es mir kaum erklären.
Ich bin jetzt seit zwei Jahren aus Deutschland ausgewandert. Im ersten Jahr war ich noch zwei- oder dreimal dort, doch dann ein ganzes Jahr lang gar nicht mehr. In dieser Zeit habe ich mich hier in Dänemark sehr an das ruhige, angenehme, respektvolle und freundliche Miteinander gewöhnt. An die Gelassenheit und den Frieden, den die Menschen hier ausstrahlen. An klare Strukturen und ein Zusammenleben, das für mich inzwischen selbstverständlich geworden ist.
Als ich nun wieder in Deutschland angekommen bin, hat mich die Stimmung sofort getroffen. Schon am Bahnhof war dieses Gegeneinander, diese unterschwellige Aggressivität so deutlich spürbar, wie ich es einfach nicht mehr kenne. Es hat mich wirklich aus der Bahn geworfen.
Ein Punkt, der mir besonders aufgefallen ist und den ich nicht ausklammern möchte, ist das Thema Migration. Ich habe den Eindruck gewonnen, dass sich das Stadtbild stark verändert hat und der Anteil von Menschen mit, sagen wir mal internationalem Hintergrund deutlich sichtbarer geworden ist als früher. Das ist keine abwertende Feststellung, ich selbst lebe im Ausland als Ausländer und weiß, wie wichtig Offenheit und Integration sind. Aber die Veränderung in ihrer Geschwindigkeit und Präsenz hat mich überrascht und verunsichert.
Es hat sich für mich ungewohnt angefühlt, und ich musste mich erst einmal orientieren.
Hier in Dänemark erlebe ich den Alltag als ruhig, geordnet und sicher. In Deutschland hatte ich diesmal jedoch ein ganz anderes Gefühl. Es war für mich schwer zu greifen, aber ich habe mich unwohl gefühlt, angespannt und unsicher. Ich selbst lebe in einem anderen Land als Ausländer und fühle mich willkommen. Ich habe mich angepasst, die Strukturen angenommen und meinen Platz gefunden. Umso mehr hat mich das, was ich in Deutschland erlebt habe, innerlich durcheinandergebracht.
Auch das Stadtbild hat mich erschreckt. Die Sauberkeit in vielen Bereichen ließ sehr zu wünschen übrig, und insgesamt wirkte vieles ungeordnet und hektisch. All diese Eindrücke zusammen haben mich traurig gemacht. Ich habe mich auf den Straßen nicht mehr so sicher gefühlt wie früher.
Vielleicht ist es nur ein subjektiver Eindruck. Vielleicht sind es einzelne Momentaufnahmen. Aber das Gefühl, das geblieben ist, ist ein schweres. Ich bin traurig und schockiert darüber, wie sich meine Wahrnehmung meiner alten Heimat verändert hat.