Eine kleine lyrische Überraschung zum Jahresende
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Eine kleine lyrische Überraschung zum Jahresende

Eine unverhoffte Anerkennung für einen Lyrik-Text bei einem Wettbewerb des Klausur Verlags - ein Moment, der zeigt, dass sich das Wagnis lohnt, die eigene Komfortzone zu verlassen.

Eine kleine lyrische Überraschung zum Jahresende 9. Februar 2026

Kurz vor Weihnachten habe ich eine E-Mail bekommen, Absender: der Klausur Verlag. Ich musste zweimal hinschauen. Irgendwann zuvor hatte ich bei einer Ausschreibung mitgemacht beim Thema: Widerspruch. Dieses Mal ging es um Lyrik. Und Lyrik ist eigentlich so gar nicht mein Zuhause. In Prosa fühle ich mich deutlich wohler. Aber genau deshalb wollte ich es wagen und mal etwas Neues ausprobieren.

Ich habe also einen Text eingereicht... und ihn danach ehrlich gesagt wieder vergessen.

Am 21. Dezember kam dann die Überraschung: Mit großer Freude teilte mir der Klausur Verlag mit, dass mein Text nicht nur zu den besten Einsendungen des Wettbewerbs zählt, sondern auch eine lobende Erwähnung erhalten hat. Zwar habe ich keinen der sieben Preise gewonnen, aber diese Anerkennung hat mich trotzdem riesig gefreut, gerade weil ich mich mit dem Genre weit außerhalb meiner Komfortzone bewegt habe.

Am 6. Februar wurde schließlich um 19 Uhr im Kulturhaus Hölderlin 1 in Hannover-Kleefeld die Anthologie „Widerspruch“ vorgestellt. Auch mein Text wurde dort vorgelesen. Leider konnte ich selbst nicht dabei sein, denn der Weg war dann doch ein kleines bisschen zu weit. Trotzdem war es ein sehr schönes Gefühl zu wissen, dass meine Worte an diesem Abend ihren Platz gefunden haben.

Die Anthologie Widerspruch ist im Klausur Verlag erhältlich und kostet, soweit ich weiß, etwa zwölf Euro.

Und für alle, die neugierig auf meinen Text, auf mein Zwischenwort sind... hier ist er:

Ich bin der Riss

Ich sehe den Staub tanzen,

wenn das Licht durch mich fällt.

Ich bin der Riss. Nicht nur eine kleine Fuge im Mauerwerk, sondern der Spalt, durch den das Licht fällt und mit ihm der Schmerz.

Ich bin das Dazwischen, wo das Wort entsteht und im selben Atemzug verstummt.

Ich bin das Ganze, doch alles, was ich berühre, zerfällt in Gegensätze.

Ich will Einheit und finde Bewegung. Ein unaufhörliches Hin und Her, das sich selbst sucht.

Vielleicht ist das die Wahrheit: dass nichts eins ist, was lebt.

Ich sage Ja und höre das Nein, wie ein Echo aus der Tiefe. Ich sage Nein - und spüre das Ja, das sich weigert zu sterben. Ich gehe und bleibe im Gehen stehen. Ich bleibe und bewege mich doch.

Ich will verstehen, doch das Verstehen flieht wie ein Vogel, der auffliegt, wenn ich zu nah komme.

Ich suche den Punkt, in dem alles ruht. doch er pulsiert, leise wie das Leben.

Ich baue Brücken aus Gedanken, und das Wasser unter mir lacht über meine Mühe. Denn das Wasser weiß: alles ist im Fluss - selbst der Stein.

Ich bin der, der sich nicht fügen kann. Der, der an sich selbst zerschellt und daraus weiterlebt.

Ich bin das Flackern, das nicht verlöschen will. Es hält mich wach, wenn die Welt träumt.

In mir streiten zwei Stimmen: die eine ruft: Ordnung, die andere flüstert: lass los. Zwischen ihnen spannt sich mein Herz. Es hält, und es zerreißt. Es schlägt, und es schweigt.

Vielleicht ist das Leben ein Versuch, nicht zu zerbrechen - sondern zu leben.

Hölderlin sagte: „Nah ist - und schwer zu fassen der Gott.“ Ich jedoch glaube, der Widerspruch ist dieses Nahsein: zu nah, um ihn zu begreifen. Zu wahr, um ihn zu verleugnen.

Ich will glauben. Doch selbst der Glaube zweifelt an sich. Ich will lieben. Doch selbst die Liebe kennt ihr Gegenteil.

So gehe ich durch Tage der Klarheit, durch Nächte der Zerrissenheit, durch Momente aus Licht.

Ich bin der, der sich immer wieder verliert, um sich neu zu finden.

Und vielleicht ist das die einzige Art, treu zu sein: sich immer wieder zu widersprechen; ehrlich.

Denn was stillsteht, lebt nicht mehr. Was ganz ist, hat aufgehört zu atmen. Nur das Gebrochene klingt. Nur das Wankende bewegt sich.

Ich bin der Riss. Und durch mich geht die Welt.

Ich bin der Riss. Und durch mich geht die Welt.

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Christine Rentschler Skagen Tourguide · Autorin · Abenteurerin

Ich schreibe von meinem neuen Leben am nördlichsten Zipfel Dänemarks.