Das staatliche Sprachkurssystem
Wer nach Dänemark kommt, stellt früher oder später fest, dass die Sprache des Landes nicht verhandelbar ist. Nicht im Alltag, nicht auf dem Arbeitsmarkt und auch nicht im Klassenzimmer. Dänisch ist die Unterrichtssprache. Nicht Englisch, obwohl viele Dänen ausgezeichnet Englisch sprechen und man im täglichen Leben damit oft gut zurechtkommt.
Nicht Deutsch, auch wenn gerade im Grenzgebiet Deutsch weitverbreitet ist, so0ndern Dänisch und das gilt von der ersten Unterrichtsstunde an. Wer damit gerechnet hat, zunächst auf einer anderen Sprache abgeholt zu werden, erlebt eine kleine Überraschung. Aber es ist eine Überraschung, an die man sich gewöhnt, denn die ersten Tage sind bewusst einfach gehalten. Mit gutem Willen und der Bereitschaft, sich einzulassen, schafft man das.
Und dafür gibt es ein System. Ein gut durchdachtes, staatlich organisiertes System, das den meisten Neuankömmlingen vollständig offensteht.
Die Danskuddannelse: Was dahinter steckt Das offizielle dänische Sprachkursprogramm heißt Danskuddannelse, kurz DU, und es ist keine Sammlung beliebig gestalteter Kurse privater Anbieter. Es folgt einem staatlich vorgegebenen Lehrplan, der von Anfang an auf zwei Dinge ausgerichtet ist: Integration und Arbeitsmarktfähigkeit. Wer sich anmeldet, in der Regel über die Wohngemeinde oder direkt bei einem Sprogcenter, durchläuft zunächst ein Einstufungsgespräch, die sogenannte Visitation. Dabei wird ermittelt, welche Vorkenntnisse man mitbringt und welcher der drei Kurstypen der passende ist.
DU1 richtet sich an Menschen, die in ihrer eigenen Muttersprache kaum oder gar nicht lesen und schreiben können. DU2 ist für Teilnehmer mit kürzerer schulischer Vorbildung gedacht. DU3 schließlich ist der Kurs, den die meisten Fachkräfte, Akademiker und gut ausgebildeten Einwanderer besuchen und setzt eine mittlere oder höhere Schulbildung voraus und arbeitet entsprechend auf höherem Niveau. Die Kurse selbst sind kostenlos.
Allerdings wird in der Regel ein Depositum von 2.000 Kronen fällig, eine Kaution, die man zurückerhält, sobald man ein Modul oder die Abschlussprüfung innerhalb der gesetzten Frist besteht. Das ist kein Hindernis, aber es ist gut zu wissen.
Was die Kurse vermitteln und wie sie organisiert sind: Es geht nicht nur um Grammatik und Vokabeln. Die Kurse beinhalten auch sogenanntes Medborgerskab. Wissen über dänische Kultur, Geschichte, gesellschaftliche Werte und die Regeln des Arbeitsmarktes. Das klingt trocken, ist aber in der Praxis oft der Teil, der einem das Leben im neuen Land am meisten öffnet: Man versteht plötzlich, warum Dinge so funktionieren, wie sie funktionieren.
Da die meisten Teilnehmer berufstätig sind, bieten die Sprogcenter,die über das ganze Land verteilt sind, Kurse zu verschiedenen Tageszeiten an: morgens, abends, teils auch am Wochenende. Onlineunterricht ist mittlerweile ein Standardangebot. Das Recht auf diese Ausbildung gilt für einen Zeitraum von bis zu fünf Jahren ab dem Zeitpunkt, an dem man einen festen Wohnsitz oder Arbeitsplatz in Dänemark nachweisen kann. Wer also zögert oder mit dem Einstieg wartet, verliert möglicherweise wertvolle Zeit.
Für alle, die in der Frederikshavn Kommune leben, ist die Gemeinde der erste Anlaufpunkt. Oft kommt bereits ein Schreiben in die e-Boks, die digitale Briefbox, die in Dänemark für die gesamte behördliche Kommunikation genutzt wird, in dem das Angebot unterbreitet wird. Wer nichts erhält, sollte selbst aktiv werden und nachfragen. Das Angebot steht einem gesetzlich zu.
Der andere Weg: Selbststudium und externe Prüfung Es gibt auch die Möglichkeit, den Kurs zu umgehen und zu Hause auf eigene Faust zu lernen und dann irgendwann, wenn man sich bereit fühlt, als externer Prüfling das Examen abzulegen. Das ist formal möglich, aber man zahlt die Prüfungsgebühren in diesem Fall selbst und ist auf sich allein gestellt, was die Vorbereitung betrifft. Es klingt nach einem pragmatischen Weg für Menschen, denen der reguläre Kursrhythmus nicht passt und für manche kann es das tatsächlich ein Weg sein. Aber man sollte sich nichts vormachen: Dänisch ist eine anspruchsvolle Sprache, und das Pensum der Abschlussprüfungen ist erheblich.
Selbst sehr gute Schüler, Menschen, die im Heimatland problemlos durch Sprachprüfungen gegangen sind, haben in Dänemark wirklich Mühe, das gesamte geforderte Niveau zu erreichen. Die Sprache ist nicht intuitiv zugänglich, die Aussprache weicht radikal von der Schriftsprache ab, und die Prüfungsanforderungen sind alles andere als trivial. Wer diesen Weg ohne die Struktur eines Sprogcenters geht, braucht sehr viel Disziplin und sollte die Schwierigkeit nicht unterschätzen.
Was der Kurs darüber hinaus bietet: Die Abschlussprüfungen PD1, PD2 oder PD3 sind offiziell anerkannte Qualifikationen. Sie sind nicht nur ein persönlicher Meilenstein, sondern in vielen Fällen eine formale Voraussetzung, wenn man sich später für eine permanente Aufenthaltserlaubnis oder die dänische Staatsbürgerschaft qualifizieren möchte. Es lohnt sich also, die Prüfungen ernst zu nehmen und die angebotene Unterstützung anzunehmen.
Und dann ist da noch etwas, das in keiner offiziellen Broschüre steht, aber genauso wichtig ist: Man trifft Menschen. Im Sprogcenter sitzen Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern, alle in derselben Situation, alle mit denselben Fragen und Unsicherheiten. Diese Gemeinschaft ist für das Einleben in einem neuen Land oft genauso wertvoll wie der Unterricht selbst. Dänisch lernen bedeutet in diesem System nicht nur, eine Sprache zu lernen, es bedeutet, in einem neuen Leben anzukommen.