Wieder ein erstes Mal in Dänemark... 18. November 2025
Heute war ein besonderer Tag. Einer dieser Tage, die man sich wahrscheinlich noch lange ins Gedächtnis ruft. So wie damals am 25. Januar 1987, als ich zum ersten Mal wählen durfte. Ich erinnere mich noch gut daran, wie unpolitisch ich war, wie unsicher. Ich wusste überhaupt nicht, wo ich mein Kreuz setzen sollte. Also fragte man diejenigen, die einem damals wichtig waren, hörte zu, ließ sich erklären, vertraute. Und dann stand ich da, mit den Wahlunterlagen in der Hand, verschwand zum ersten Mal hinter dem Vorhang und machte mein Kreuz. Ein aufregender, ja, ein fast feierlicher Moment.
Und heute, so viele Jahre später, fand wieder ein erstes Mal statt: meine erste Kommunal- und Regionalwahl in Dänemark.
Wieder musste ich mich durch eine politische Landschaft kämpfen, die mir zunächst einmal fremd war. Wieder gab es viele Gespräche mit Menschen, die mir hier wichtig geworden sind, und wieder war ich auf Erklärungen angewiesen... Wie funktioniert das dänische Wahlsystem überhaupt, wen kann man wählen, was bedeuten die verschiedenen Stimmzettel? Und natürlich wieder dieses typische Suchen und Finden im Internet, das zum modernen Wahlvorbereitungsritual geworden ist.
Dabei hatte ich durchaus schon Erfahrung mit Kommunalpolitik sammeln können. Im Jahr 2019 stand ich in Deutschland selbst zur Wahl – und wurde tatsächlich für fünf Jahre gewählt. Sowohl in den Gemeinderat meiner Heimatgemeinde als auch in den Verbandsgemeinderat unserer Verbandsgemeinde. Diese Zeit hat mich sehr geprägt.
Ich lernte, wie Entscheidungen auf lokaler Ebene getroffen werden, wie wichtig Kommunalpolitik für das tägliche Leben der Menschen ist, und wie viel Verantwortung damit einhergeht. Diese Perspektive von der anderen Seite des demokratischen Prozesses zu erleben, als jemand, der gewählt wurde statt nur zu wählen, hat meinen Blick auf Politik nachhaltig verändert.
Heute Morgen war es dann soweit. Am Dienstag, den 18. November, zwischen 8 und 20 Uhr, durfte gewählt werden - und ich habe es getan.
Mit meinen Unterlagen in der einen Hand und an der anderen mit meinem Ehemann bin ich ins Wahllokal gegangen, habe die Stimmzettel entgegengenommen, bin hinter den Vorhang getreten und habe meine Kreuze gesetzt. Zwei an der Zahl, für die zwei verschiedene Urnen. Es war ein erhebendes Gefühl, so bewusst teilzunehmen, Teil dieses Systems zu sein, das inzwischen auch ein Stück meiner neuen Heimat geworden ist.
Als ich das Wahllokal verließ, empfing mich strahlend blauer Himmel und Sonnenschein. Ich marschierte nach Hause, fühlte mich richtig gut und noch ein Stückchen mehr zugehörig. Wieder ein erstes Mal, wieder ein Schritt weiter in meinem Leben in Dänemark.
Ein Schritt, der sich umso bedeutsamer anfühlte, weil ich weiß, was es bedeutet, auf der anderen Seite zu stehen. Weil ich die Verantwortung kenne, die gewählte Vertreter tragen.
Und weil ich heute mit meiner Stimme Menschen dieses Vertrauen schenken durfte - ganz so wie es mir selbst einst geschenkt wurde.